PPWR: Wie Bildverarbeitung Unternehmen bei den neuen Verpackungsvorgaben unterstützt

Seit dem 12. August 2026 gilt in der EU die neue Verpackungsverordnung PPWR, kurz für „Packaging and Packaging Waste Regulation" (Verordnung (EU) 2025/40) 1) 2). In Deutschland ersetzt das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG)3) 4) das bisherige Verpackungsgesetz. Unternehmen müssen striktere Vorgaben zur Recyclingfähigkeit, zu Materialbeschränkungen und zur Kennzeichnung von Verpackungen erfüllen. Bildverarbeitung, also der Einsatz von Kameras und Software zur automatisierten Prüfung von Produkten, bietet dafür Verfahren, die sich in bestehende Produktions- und Recyclingprozesse einbinden lassen.

Ablaufgrafik: Wie Bildverarbeitung PPWR-relevante Verpackungsmerkmale vor dem Inverkehrbringen und im Recycling prüfbar machtAblaufgrafik: Wie Bildverarbeitung PPWR-relevante Verpackungsmerkmale vor dem Inverkehrbringen und im Recycling prüfbar macht

Was sich mit der PPWR ändert

Die PPWR verschärft die Anforderungen an Verpackungsdesign, Materialbeschränkungen und Kennzeichnung:

 

  • PFAS in Lebensmittelverpackungen: maximal 25 ppb je Einzelsubstanz, 250 ppb insgesamt, Schwellenwert 50 ppm für den Fluorgehalt
  • Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber, sechswertiges Chrom): gemeinsamer Höchstwert 100 mg/kg
  • Verpackungen müssen nachweislich recyclingfähig gestaltet sein
  • Ab 2028: Recyclingquote von 75 Prozent für Kunststoffabfälle in den dualen Systemen
  • Verstöße gegen das VerpackDG: Bußgelder bis 200.000 Euro

Diese Anforderungen betreffen Produktion, Qualitätskontrolle und Recycling gleichermaßen, dort, wo automatisierte Prüfung ansetzt.

PPWR im Kontext

Deutschland meldet für Kunststoffverpackungen offiziell eine Verwertungsquote von rund 71 Prozent (Berichtsjahr 2024)5), deutlich über der gesetzlichen Mindestvorgabe von 63 Prozent und ein klarer Anstieg gegenüber 42 Prozent im Jahr 2018. Diese Zahl beschreibt jedoch nur, wie viel Verpackungsmaterial in die Sortierung gelangt, nicht wie viel davon tatsächlich als Rezyklat in neuen Verpackungen landet. Genau hier setzt die PPWR an: Sie verlangt recyclingfähiges Design und mehr Nachvollziehbarkeit entlang der gesamten Kette, von der Materialauswahl bis zur Wiederverwertung.

Wo Bildverarbeitung bei der Umsetzung ansetzt

Materialerkennung

 

  • NIR- und Hyperspektralkameras erkennen Kunststoffarten, die für das menschliche Auge identisch aussehen. Auch Fremdkörper wie Papier, Glas oder Metall lassen sich mit dieser Sensorik deutlich zuverlässiger hervorheben als mit Standardkameras.

Prüfung der Recyclingfähigkeit

 

  • Systeme erkennen schwer trennbare Materialkombinationen, etwa wenn ein Etikett oder eine Beschichtung aus einem zweiten Material fest mit der Verpackung verbunden ist, sowie störende Farben und ungeeignete Verschlüsse.

Kontrolle von Kennzeichnungen

 

  • Barcodes, Recycling-Symbole, Pfandhinweise und Pflichttexte werden per Texterkennung (OCR) auf Vorhandensein, Position und Lesbarkeit geprüft.

Erkennung von Verpackungskomponenten

 

  • Deckel, Etiketten, Folien, Trays und Umverpackungen lassen sich automatisch erfassen und klassifizieren.

Qualitätskontrolle in der Produktion

 

  • Beschädigte, falsch verschlossene, falsch bedruckte oder überfüllte Verpackungen werden erkannt und ausgeschleust.

Sortierung im Recycling

 

  • Bildverarbeitung klassifiziert einzelne Verpackungen nach Material, Farbe, Form und Verschmutzungsgrad, sodass eine Sortieranlage diese korrekt trennen kann.

Reduzierung von Verpackungsmaterial

 

  • Bildverarbeitung klassifiziert einzelne Verpackungen nach Material, Farbe, Form und Verschmutzungsgrad, sodass eine Sortieranlage diese korrekt trennen kann.

Dokumentation und Nachweisführung

 

  • Prüfergebnisse lassen sich speichern und Chargen, Lieferanten oder Verpackungstypen zuordnen.

Wann reicht eine Standardkamera aus?

Für Kennzeichnungsprüfungen reicht oft eine Standardkamera mit Texterkennung. Bei der Materialbestimmung wird es komplizierter: Zwei Verpackungen können optisch identisch wirken und trotzdem aus unterschiedlichen Kunststoffen bestehen.

Ein Beispiel: Schwarz eingefärbte Verpackungen können Industrieruß als Pigment enthalten. Ruß absorbiert das Licht, mit dem NIR-Sensoren Kunststoffarten normalerweise unterscheiden, wodurch dunkle Verpackungen für viele Sortieranlagen unsichtbar bleiben und in der Verbrennung statt im Recycling landen. Hier helfen hyperspektrale Bildgebung oder KI-Modelle, also Software, die anhand vieler Beispielbilder lernt, auch schwer unterscheidbare Materialien zu trennen.

Welche Sensorik und Software im Einzelfall sinnvoll ist, testet das Technical Competence Centre von STEMMER IMAGING anhand realer Verpackungsmuster. 

FAQ

Ab wann gilt die neue Verpackungsverordnung?

Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. In Deutschland tritt zeitgleich das VerpackDG in Kraft und ersetzt das bisherige Verpackungsgesetz.

Kann Bildverarbeitung allein die Einhaltung der PPWR sicherstellen?

Bildverarbeitung deckt die automatisierte Prüfung von Material, Kennzeichnung und Verpackungsqualität ab. Fragen zur Herstellerdefinition, zu Rezyklatquoten oder zur rechtlichen Konformitätsbewertung liegen außerhalb des Systems und erfordern zusätzliche organisatorische und rechtliche Schritte.

Welche Sensorik eignet sich für die zuverlässige Materialbestimmung?

Für einfache Kennzeichnungsprüfungen reichen Standardkameras mit Texterkennung (OCR). Bei der zuverlässigen Materialbestimmung, etwa bei dunkel eingefärbten oder mehrschichtigen Verpackungen, sind zusätzlich Sensoren wie NIR oder Hyperspektralkameras sowie softwaregestützte Auswertung gefragt.

Betrifft die PPWR nur Lebensmittelverpackungen?

Verpackungen aller Art. Bestimmte Grenzwerte, etwa für PFAS, sind speziell für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt festgelegt, während Vorgaben zu Recyclingfähigkeit und Kennzeichnung branchenübergreifend greifen.

Nächster Schritt

Kontakt zum Technical Competence Centre von STEMMER IMAGING für eine Einschätzung der eigenen Verpackung: